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Ratgeber · Österreich

Einbruch: Was jetzt zu tun ist

Die Reihenfolge der ersten Stunde, was die Haushaltsversicherung zahlt – und wie Sie beim Schlüsseldienst nicht ein zweites Mal beraubt werden.

Nichts anfassen, 133 wählen

Bleiben Sie draußen, wenn Sie nicht sicher sind, dass niemand mehr in der Wohnung ist. Räumen Sie nichts auf und stellen Sie nichts zurück, bevor die Polizei da war – Spuren sind die einzige Chance auf Aufklärung. Die Anzeige ist außerdem Pflicht: Ohne sie zahlt keine Versicherung.

Die erste Stunde, in dieser Reihenfolge

  1. 01Polizei rufen (133). Warten Sie auf die Beamten, betreten Sie die Wohnung möglichst nicht. Die Anzeige wird vor Ort aufgenommen; Sie bekommen eine Bestätigung mit Aktenzeichen.
  2. 02Fotos machen – erst nach Freigabe. Aufgebrochene Tür, durchwühlte Schränke, Schäden. Vor dem Aufräumen, aus mehreren Winkeln.
  3. 03Karten und Handy sperren. Bankomat- und Kreditkarten (Sperrnotruf), gestohlene Handys über den Anbieter. Waren Ausweise dabei: Verlustanzeige, damit niemand in Ihrem Namen Verträge schließt.
  4. 04Versicherung verständigen. Unverzüglich (§ 33 VersVG), auch wenn die Stehlgutliste noch nicht fertig ist. Melden Sie Einbruch und Vandalismus getrennt, falls beides vorliegt.
  5. 05Schaden begrenzen. Aufgebrochene Tür provisorisch sichern, Fenster verschließen lassen. Sie sind zur Schadenminderung verpflichtet (§ 62 VersVG); die Kosten dafür trägt in der Regel die Versicherung.
  6. 06Stehlgutliste erstellen. Alles Fehlende mit Beschreibung, Alter, Neupreis, Seriennummer und Belegen. Geht an Polizei und Versicherung. Nachreichen ist erlaubt, Weglassen kostet Geld.
  7. 07Schloss tauschen lassen. Wurden Schlüssel gestohlen oder das Schloss beschädigt, sofort den Zylinder wechseln – die Kosten sind nach einem Einbruch üblicherweise mitversichert. Rechnung aufheben.

Was als Einbruch zählt – und was nicht

„Einbruchdiebstahl“ ist in den Haushaltsbedingungen genau definiert. Der Unterschied entscheidet über den vollen Ersatz oder die niedrigen Höchstbeträge des einfachen Diebstahls.

  • Tür oder Fenster aufgebrochen oder eingedrückt
  • Durch eine Öffnung eingestiegen, die nicht zum Eintritt bestimmt ist (Kellerfenster, Lichtschacht)
  • Schloss mit Werkzeug oder nachgemachtem Schlüssel geöffnet
  • Mit dem echten Schlüssel eingedrungen, der zuvor bei einem anderen Einbruch oder mit Gewalt geraubt wurde
  • Tagsüber eingeschlichen und Sachen weggebracht, während die Wohnung versperrt war
  • Tür war unversperrt, Fenster offen oder gekippt – dann ist es einfacher Diebstahl mit niedrigen Höchstbeträgen
  • Mit einem verlorenen oder liegen gelassenen Schlüssel geöffnet – kein Einbruch im Sinn der Bedingungen

Was die Haushaltsversicherung zahlt

Der gestohlene Wohnungsinhalt

Grundsätzlich zum Neuwert, also zum heutigen Preis eines gleichwertigen neuen Geräts. Viele Bedingungen kürzen auf den Zeitwert, wenn dieser unter 40 Prozent des Neuwerts liegt, und zahlen die Differenz zum Neuwert erst, wenn Sie innerhalb eines Jahres nachkaufen. Ausführlich in unserem Ratgeber Haushaltsgerät kaputt: Wer zahlt?.

Das neue Schloss

Kosten für notwendige Schlossänderungen an der Wohnung sind in den üblichen Bedingungen mitversichert, bis zu dem in der Polizze genannten Betrag und ohne Anrechnung auf die übrige Entschädigung. Gemeinschaftlich genutzte Türen – Haustor, Kellergang – sind ausgenommen; dafür ist die Hausverwaltung zuständig.

Vandalismus

Was der Täter nach dem Eindringen vorsätzlich zerstört oder beschädigt, ist als „Vandalismus infolge Einbruchdiebstahl“ gedeckt. Der Sachverständige will die Schäden sehen – deshalb fotografieren, bevor Sie aufräumen.

Bargeld, Schmuck, Wertpapiere: Höchstgrenzen

Dafür gelten eigene Entschädigungsgrenzen, gestaffelt nach Aufbewahrung – frei in der Wohnung deutlich niedriger als im versperrten Safe. Die Beträge stehen in Ihrer Polizze. Wer viel Schmuck hat, sollte ihn gesondert versichern.

Nicht die Haushaltsversicherung: das Gebäude

Aufgebrochene Wohnungstür, zerstörte Fensterrahmen, beschädigte Wände gehören zur Eigenheim- bzw. Gebäudeversicherung. In der Mietwohnung ist das der Vermieter – melden Sie ihm den Einbruch schriftlich.

Wie oft passiert es?

6.828

angezeigte Wohnraumeinbrüche 2025

49 %

davon blieben beim Versuch

−47 %

gegenüber 2016 (12.975 Fälle)

Einbrüche in Wohnungen und Häuser haben sich in zehn Jahren halbiert und liegen auf einem historischen Tiefstand. Zwei Dinge fallen in der Statistik trotzdem auf: Fast jeder zweite Einbruch scheitert – Täter geben auf, wenn Tür oder Fenster standhalten. Und Kellereinbrüche steigen weiter, 2025 auf 10.135 Fälle. Bevorzugte Zeit bleibt die Dämmerung zwischen 16 und 21 Uhr, wenn dunkle Fenster verraten, dass niemand zu Hause ist.

Schlüsseldienst: nicht die erste Anzeige anrufen

Ob nach dem Einbruch oder weil die Tür zugefallen ist: Die Arbeiterkammer warnt seit Jahren vor Internet-Notdiensten, die mit Lockpreisen werben, aus einer anderen Stadt anfahren und dann für eine einfache Türöffnung mehrere hundert bis über tausend Euro bar verlangen – oft nach unnötigem Aufbohren eines Schlosses, das sich auch hätte öffnen lassen.

  • Jetzt vorsorgen: einen Betrieb aus der Umgebung heraussuchen und ins Telefon speichern. Die App „Mein Aufsperrdienst“ listet zertifizierte Anbieter.
  • Vor der Zusage den Gesamtpreis nennen lassen – inklusive Anfahrt, Nacht- oder Wochenendzuschlag.
  • Nicht bar zahlen ohne detaillierte Rechnung mit Firmenanschrift. Bei Druck: Polizei rufen, Kennzeichen notieren.
  • Nach dem Einbruch: Die Schlossänderung zahlt die Versicherung – aber nur gegen Rechnung. Der Zylinder mit Sicherungskarte ist die richtige Wahl.
  • Ersatzschlüssel bei vertrauten Nachbarn hinterlegen – die billigste Türöffnung von allen.

Vorbeugen: was nachweislich wirkt

  • Fenster schließen, nicht kippen – auch im ersten Stock. Ein gekipptes Fenster ist für Einbrecher offen und für die Versicherung ein Fall von einfachem Diebstahl.
  • Tür immer absperren, auch bei kurzer Abwesenheit. Eine nur zugezogene Tür überwindet kein „Hindernis“ im Sinn der Bedingungen.
  • Zylinder mit Sicherungskarte und Aufbohrschutz, dazu ein Zusatzschloss oder Querriegel: Was länger als ein paar Minuten dauert, wird abgebrochen.
  • Licht mit Zeitschaltuhr oder Smart-Home-Steuerung in der Dämmerung – die bevorzugte Einbruchszeit.
  • Keller nicht vergessen: Kellereinbrüche steigen. Fahrräder und Werkzeug dort nur hinter versperrter Tür lagern.
  • Wertgegenstände fotografieren, Rechnungen digital ablegen, Seriennummern notieren – die Stehlgutliste schreibt sich dann in Minuten.
  • Förderungen prüfen: Mehrere Bundesländer unterstützen Sicherheitstüren und Alarmanlagen über die Wohnbauförderung.

🛠️ Einbruch melden

Die Schadensmeldung Haushalt führt durch Hergang, Stehlgutliste und Belege, so wie es der Versicherer braucht.

🔍 Höchstgrenzen in Ihrer Polizze

Bargeld, Schmuck, Schlossänderung, einfacher Diebstahl: Der Polizzen-Check liest die Beträge aus Ihren Unterlagen heraus.

Häufige Fragen nach einem Einbruch

Das Fenster war gekippt. Zahlt die Versicherung trotzdem?
Meist nicht als Einbruch. Die Bedingungen setzen voraus, dass der Täter einbricht, einsteigt oder Schlösser überwindet. Wer durch ein gekipptes Fenster greift oder klettert, überwindet kein Hindernis – der Fall gilt als einfacher Diebstahl, für den deutlich niedrigere Höchstbeträge gelten, und viele Versicherer werten das gekippte Fenster bei längerer Abwesenheit als grobe Fahrlässigkeit. Fenster schließen ist deshalb keine Ordnungsfrage, sondern eine Versicherungsfrage.
Ich habe meinen Schlüssel verloren. Zahlt die Versicherung das neue Schloss?
Nach einem Einbruch ja: Die Kosten für notwendige Schlossänderungen sind in den üblichen Bedingungen mitversichert, meist bis zu einem in der Polizze genannten Betrag. Bei einem bloß verlorenen Schlüssel ohne Einbruch nicht – und wird die Wohnung später mit diesem Schlüssel ausgeräumt, ist das kein Einbruchdiebstahl, weil der Täter den echten Schlüssel weder durch Einbruch noch durch Raub erlangt hat. Nach einem Schlüsselverlust sollten Sie den Zylinder deshalb auf eigene Kosten tauschen lassen.
Muss ich wirklich zur Polizei?
Ja, ohne Anzeige zahlt keine Versicherung. Die Bedingungen verpflichten Sie, Einbruch, Diebstahl und Beraubung unverzüglich der Polizei anzuzeigen und dabei alle abhanden gekommenen Sachen anzugeben. Bis zur Anzeige darf der Versicherer die Zahlung aufschieben. Rufen Sie sofort nach der Entdeckung 133 – auch damit die Spurensicherung noch etwas findet.
Was ist eine Stehlgutliste und wie genau muss sie sein?
Die Aufstellung aller gestohlenen Gegenstände mit Beschreibung, Kaufdatum, Preis und – wo möglich – Seriennummer oder Foto. Sie geht an die Polizei (für die Fahndung) und an die Versicherung (für die Entschädigung). Fehlen Belege, helfen Kontoauszüge, Fotos aus dem Urlaub, auf denen Schmuck zu sehen ist, oder Garantiekarten. Was nicht auf der Liste steht, wird nicht ersetzt – nehmen Sie sich Zeit und ergänzen Sie nach.
Die Einbrecher haben Schränke aufgebrochen und Wände beschmiert. Ist das gedeckt?
Ja, als Vandalismus infolge Einbruchdiebstahl: Die vorsätzliche Zerstörung oder Beschädigung versicherter Sachen nach dem Eindringen ist in den üblichen Haushaltsbedingungen mitversichert. Schäden am Gebäude selbst – aufgebrochene Wohnungstür, zerstörtes Fenster – sind Sache der Gebäude- bzw. Eigenheimversicherung oder, in der Mietwohnung, des Vermieters.
Wird gestohlener Schmuck oder Bargeld voll ersetzt?
Nur bis zu bestimmten Höchstbeträgen, die von der Aufbewahrung abhängen: Für Bargeld, Schmuck und Wertpapiere gelten eigene Entschädigungsgrenzen, die höher liegen, wenn die Sachen in einem versperrten Safe waren. Die konkreten Beträge stehen in Ihrer Polizze. Wer wertvollen Schmuck besitzt, sollte ihn gesondert versichern oder die Grenzen anheben lassen.
Ich stehe nachts vor der versperrten Tür. Wie finde ich einen seriösen Schlüsseldienst?
Nicht über die erste Google-Anzeige. Die Arbeiterkammer warnt vor Internet-Notdiensten, die mit Lockpreisen werben, von weit her anfahren und dann mehrere hundert bis über tausend Euro bar verlangen. Nehmen Sie einen Betrieb aus Ihrer Umgebung – die App „Mein Aufsperrdienst“ listet zertifizierte Anbieter –, fragen Sie vorab nach dem Gesamtpreis inklusive Anfahrt und Zuschlag, zahlen Sie nicht bar ohne detaillierte Rechnung und rufen Sie die Polizei, wenn Sie unter Druck gesetzt werden. Am besten: Jetzt einen lokalen Anbieter ins Telefon speichern, solange die Tür noch offen ist.
Was bringt ein Smart Lock oder eine Alarmanlage für die Versicherung?
Direkt meist nichts – Rabatte für Sicherheitstechnik sind in Haushaltspolizzen selten. Indirekt viel: Einbrecher brechen ab, wenn es länger als ein paar Minuten dauert; laut Kriminalstatistik bleibt fast jeder zweite Wohnraumeinbruch im Versuch. Ein Zylinder mit Sicherungskarte, ein Zusatzschloss und geschlossene Fenster sind wirksamer als jede Deckungserweiterung. Mehrere Bundesländer fördern Sicherheitstüren und Alarmanlagen über die Wohnbauförderung – nachfragen lohnt sich.

Verwandt: E-Bike gestohlen – warum der Keller versicherungsrechtlich anders behandelt wird als die Wohnung.

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Quellen: Kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik 2025 (BK) · BK: Dämmerungszeit bleibt Einbruchszeit · AK: Abzocke durch Schlüsseldienste · VersVG · Haushaltsbedingungen ABHD 2024 und ÖAMTC ABH 2022

Unverbindliche Information, keine Rechts- oder Versicherungsberatung. Stand: 26. September 2026. Die Bedingungen der Haushaltsversicherungen unterscheiden sich von Gesellschaft zu Gesellschaft – maßgeblich ist ausschließlich der Wortlaut Ihrer Polizze. Für eine verbindliche Einschätzung wenden Sie sich an eine konzessionierte Versicherungsmaklerin oder einen konzessionierten Versicherungsmakler.