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Ratgeber · Österreich · Stand Oktober 2026

PV-Anlage oder Balkonkraftwerk anmelden: so geht es in Österreich

Zwei Wochen Meldung fürs Balkonkraftwerk, sechs Schritte für die Dachanlage – und was Förderung, Einspeisetarif und Finanzamt 2026 dazu sagen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Balkonkraftwerk bis 800 W: beim Netzbetreiber melden, mindestens zwei Wochen vor dem Einstecken, kostenlos, keine Genehmigung. Keine Bagatellgrenze.
  • Dachanlage: Netzzutrittsantrag → Vertrag → Elektriker → Fertigstellungsmeldung → Smart Meter → Freigabe. Drei bis sechs Monate.
  • Förderung: EAG-Zuschuss 150 €/kWp bis 10 kWp plus 150 €/kWh Speicher – nur vor dem Kauf, nur im Fördercall (letzter 2026: 8.–22. Oktober). Balkonkraftwerke bekommen nichts vom Bund; der USt-Nullsatz ist seit April 2025 Geschichte.
  • Einspeisung: rund 7 Cent/kWh (OeMAG-Marktpreis), bis 12.500 kWh im Jahr steuerfrei.
  • Mieter brauchen die Zustimmung des Vermieters; Wohnungseigentümer seit 2024 nur das Schweigen der anderen (zwei Monate).
  • Anlage der Versicherung melden – sonst zahlt sie bei Hagel und Sturm nicht.

Balkonkraftwerk: Meldung in fünf Minuten

Ein Balkonkraftwerk ist rechtlich eine „Kleinsterzeugungsanlage“: bis 800 Watt Wechselrichterleistung, die Module dürfen mehr haben § 7 Abs. 1 Z 32a ElWOG. Für sie gilt das einfache Verfahren – keine Genehmigung, kein Netzzugangsvertrag, kein Elektriker-Protokoll, nur eine Meldung an den Netzbetreiber. Das ist nicht Ihr Stromlieferant: Wer bei der EVN oder bei Verbund Strom kauft, meldet trotzdem bei Netz NÖ oder Wiener Netze. Der Netzbetreiber steht auf der Stromrechnung, ebenso die 33-stellige Zählpunktnummer, die Sie brauchen.

Gemeldet wird online, mindestens zwei Wochen vor der Inbetriebnahme, mit Leistung von Wechselrichter und Modulen und dem Konformitätsnachweis des Wechselrichters (TOR Erzeuger, NA-Schutz). Kommt binnen zwei Wochen keine begründete Ablehnung, dürfen Sie einstecken – vorher nicht. Der Zähler muss eine Rücklaufsperre haben; alte Ferraris-Zähler tauscht der Netzbetreiber kostenlos. Verträge über die Vergütung des Überschusses gibt es für Balkonkraftwerke meist nicht; was ins Netz geht, ist verschenkt.

BundeslandNetzbetreiberMeldung
WienWiener Netzewienernetze.at
NiederösterreichNetz Niederösterreich (nicht EVN – das ist der Lieferant)netz-noe.at
OberösterreichNetz Oberösterreich; Linz: LINZ NETZnetzooe.at
SteiermarkEnergienetze Steiermark; Graz: Stromnetz Graze-netze.at
SalzburgSalzburg Netzsalzburgnetz.at
TirolTINETZ; Innsbruck: IKBtinetz.at
KärntenKärnten Netz; Klagenfurt: Energie Klagenfurtkaerntennetz.at
VorarlbergVorarlberg Netzvorarlbergnetz.at
BurgenlandNetz Burgenlandnetzburgenland.at

In Linz, Graz, Klagenfurt und Innsbruck ist der Stadtnetzbetreiber zuständig, nicht der des Landes. Über 800 Watt Wechselrichterleistung ist es kein Balkonkraftwerk mehr, sondern eine PV-Anlage mit dem vollen Verfahren unten.

Lohnt sich das? Ertragsrechner

Zwei Module am Südgeländer bringen in Österreich 550 bis 650 kWh im Jahr, geneigt auf der Terrasse bis 900. Entscheidend ist, wie viel davon Sie selbst verbrauchen – der Rest ist beim Balkonkraftwerk meist unbezahlt.

Ertrag pro Jahr

591 kWh

414 kWh selbst genutzt, 177 kWh ins Netz

Ersparnis pro Jahr

€ 120

€ 120 weniger Stromkosten

Amortisation

3,7 Jahre

Module halten 25 Jahre, Wechselrichter 10–15

Richtwerte für österreichische Standorte; Verschattung durch Nachbarbalkon oder Bäume kann den Ertrag halbieren. Ohne Einspeisevertrag ist der Überschuss ein Geschenk an den Netzbetreiber – deshalb lieber Verbraucher in die Mittagszeit legen als mehr Module kaufen. Keine Beratung.

Worauf beim Kauf achten

  • Wechselrichter mit 800 W und Konformitätserklärung nach TOR Erzeuger Typ A – ohne sie nimmt der Netzbetreiber die Meldung nicht an. Modelle von Hoymiles, APsystems, Deye und Envertech sind in Österreich gelistet.
  • Module überdimensionieren: 2 × 440–500 Wp holen bei schwachem Licht mehr heraus; der Wechselrichter kappt nur die Mittagsspitze.
  • Halterung mit Statik: Am Geländer wirken bei Sturm mehrere hundert Kilo Zug; Aluminium-Halterungen mit Edelstahlschrauben und Herstellerangabe zur Windlast, Module außen am Geländer nur mit Zustimmung von Vermieter oder Eigentümergemeinschaft.
  • Glas-Glas-Module halten 25 bis 30 Jahre und sind hagelfester als Glas-Folie – auf dem Balkon im Hagelgebiet (Kärnten, Steiermark, NÖ) ein Argument.
  • Haftpflicht: Fällt ein Modul auf ein Auto, zahlt die private Haftpflicht der Haushaltsversicherung – wenn die Anlage gemeldet ist.

PV-Anlage am Dach: sechs Schritte bis zur Einspeisung

  1. 01

    Angebot und Netzzutrittsantrag

    Der Installateur plant die Anlage und stellt beim Netzbetreiber den Antrag auf Netzzutritt mit Zählpunkt, Leistung in kWp und Wechselrichterdaten – online über das Portal des Netzbetreibers. Bis 25 kWp läuft ein vereinfachtes Verfahren. Die Antwort dauert vier bis acht Wochen; sie legt fest, wie viel Sie einspeisen dürfen.

  2. 02

    Netzzugangsvertrag unterschreiben, Förderung beantragen

    Mit der Zusage kommt der Netzzugangsvertrag und eine Rechnung für den Netzzutritt (je nach Netz einige hundert Euro). Jetzt – vor der Bestellung – den EAG-Investitionszuschuss im Fördercall beantragen; wer schon gekauft hat, ist raus. Seit dem ElWG gilt: Bis 15 kW besteht ein Recht auf Einspeisung in Höhe der bisherigen Bezugsleistung, darüber nur 70 Prozent ElWG 2026.

  3. 03

    Errichtung durch einen konzessionierten Elektriker

    Montage, Wechselrichter, Einspeisezähler-Vorbereitung und Prüfprotokoll. Neue Anlagen ab 3,68 kW müssen seit Juni 2026 vom Netzbetreiber ansteuerbar sein; über 7 kW darf er bei Netzengpässen die Einspeisung kurz kappen. Baurechtlich sind Aufdachanlagen auf Wohnhäusern in fast allen Ländern bewilligungsfrei – Ausnahmen: Schutzzonen, Denkmalschutz, in der Steiermark eine Meldung an die Gemeinde.

  4. 04

    Fertigstellungsmeldung

    Der Elektriker meldet die fertige Anlage im Portal des Netzbetreibers; Leistung und Zählpunkt müssen mit dem Vertrag übereinstimmen. Ohne diese Meldung keine Freigabe – und ohne Freigabe keine Einspeisung, auch wenn alles montiert ist.

  5. 05

    Zählertausch und Freigabe

    Der Netzbetreiber tauscht den Zähler gegen einen Smart Meter mit Einspeisemessung (zwei bis acht Wochen) und gibt die Anlage frei. Erst ab diesem Tag fließt Strom ins Netz. Von der ersten Anfrage bis hierher vergehen in Österreich typisch drei bis sechs Monate, in Wien, Graz und Linz eher länger.

  6. 06

    Überschuss verkaufen und versichern

    Für die Vergütung brauchen Sie einen Abnehmer: die OeMAG zum Marktpreis (Vertrag über das Ökostromportal der E-Control) oder Ihren Stromlieferanten mit Einspeisetarif – vergleichen lohnt, die Spanne reicht von 5 bis über 12 Cent. Melden Sie die Anlage Ihrer Eigenheim- oder Haushaltsversicherung: Sie ist sonst bei Sturm, Hagel und Blitz oft nicht gedeckt, und die Haftpflicht sollte Schäden durch die Anlage einschließen.

Förderung und Steuer 2026 auf einen Blick

EAG-Investitionszuschussbis 10 kWp 150 €/kWp, bis 20 kWp 140, bis 100 kWp 130; Speicher 150 €/kWh; max. 30 % der Nettokosten; Made-in-Europe-Bonus bis 30 %
Fördercalls 202623.04.–08.05., 23.06.–07.07., 08.–22.10. – Antrag vor Bestellung, Vergabe nach Reihenfolge, Budget ist jedes Mal in Tagen weg
UmsatzsteuerNullsatz bis 35 kWp am 31.03.2025 beendet – wieder 20 %; Einspeisung als Kleinunternehmer bis 55.000 € Umsatz USt-frei
EinkommensteuerEinspeisung bis 12.500 kWh/Jahr steuerfrei bei ≤ 35 kWp und Anschluss ≤ 25 kWp (§ 3 Abs. 1 Z 39 EStG), je Person
ElektrizitätsabgabeEigenverbrauch aus PV unbegrenzt befreit
EinspeisevergütungOeMAG-Marktpreis monatlich, 2026 bisher 6,1–10,2 ct, Ø ≈ 7 ct; Lieferanten-Tarife vergleichen
Netzkosten (ElWG)bis 20 kW einspeisen weiterhin gratis; darüber ab 2027 0,05 ct/kWh Versorgungsinfrastrukturbeitrag
Balkonkraftwerkkeine Bundes- oder Landesförderung; Gemeinden 50–500 € (Förderkompass PV Austria)

Häufige Fragen zu PV-Anlage und Balkonkraftwerk

Muss ich ein Balkonkraftwerk wirklich anmelden?
Ja, in Österreich gibt es keine Bagatellgrenze. Jede Anlage, die am Hausnetz hängt, ist dem Netzbetreiber zu melden – kostenlos, online, mindestens zwei Wochen vor dem ersten Einstecken. Meldet sich der Netzbetreiber in dieser Zeit nicht, gilt die Anlage als geduldet. Nötig sind Zählpunktnummer (33-stellig, auf der Stromrechnung), Wechselrichterleistung, Modulleistung und das Konformitätsdatenblatt des Wechselrichters. Wer einfach einsteckt, riskiert bei einem Schaden den Versicherungsschutz.
Schuko-Stecker oder Wieland-Dose?
Die E-Control sagt: Kleinsterzeugungsanlagen sind auch mit Schuko-Stecker erlaubt. Die Elektronorm OVE E 8101:2025 verlangt dagegen eine Energiesteckvorrichtung (Wieland) oder einen Festanschluss. In der Praxis entscheidet der Netzbetreiber: Wiener Netze verlangen den Anschluss durch eine Elektrofachkraft, LINZ NETZ akzeptiert Schuko nur bei ausdrücklicher Herstellerfreigabe, die meisten Landesnetze dulden ihn. Sicher sind Sie mit einer Wieland-Dose vom Elektriker um 50 bis 100 Euro – auch gegenüber der Versicherung.
Ich wohne zur Miete – darf ich eines montieren?
Nur mit Zustimmung des Vermieters; anders als in Deutschland gibt es in Österreich keinen Anspruch. Am ehesten klappt es ohne bauliche Veränderung: Module auf den Balkonboden stellen oder innen ans Geländer lehnen statt bohren, schriftlich anfragen mit Datenblatt und Foto der geplanten Montage. Wohnungseigentümer haben es seit 1. September 2024 leichter: Nach § 16 Abs. 5 WEG gilt die Zustimmung der anderen als erteilt, wenn binnen zwei Monaten nach Verständigung kein begründeter Widerspruch kommt.
Gibt es Förderung für Balkonkraftwerke?
2026 weder vom Bund noch von den Ländern. Der EAG-Investitionszuschuss setzt einen eigenen Einspeisezählpunkt voraus, den Stecker-Anlagen nicht haben; der Nullsteuersatz bei der Umsatzsteuer lief am 31. März 2025 aus. Was bleibt, sind Gemeinden: Viele zahlen 50 bis 500 Euro, nachsehen im Förderkompass von PV Austria oder auf der Gemeindeseite. Bei 300 bis 500 Euro Anschaffung rechnet sich die Anlage auch ohne Förderung in drei bis fünf Jahren.
Wie hoch ist der EAG-Zuschuss für eine Dachanlage, und wann kann ich ihn beantragen?
2026: 150 Euro je kWp bis 10 kWp, 140 bis 20, 130 bis 100, 120 darüber; Speicher 150 Euro je kWh, wenn er mit der neuen Anlage kommt. Gedeckelt mit 30 Prozent der Nettokosten, mit bis zu 30 Prozent Bonus für Module, Wechselrichter oder Speicher aus Europa. Beantragt wird in Fördercalls über die EAG-Abwicklungsstelle – vor der Bestellung. Der letzte Call 2026 läuft vom 8. bis 22. Oktober; beim zweiten standen 28.000 Anträge rund 3.000 Zusagen gegenüber, es gilt „wer zuerst kommt“. Für 2027 ist eine EAG-Novelle angekündigt, möglicherweise mit Speicherpflicht.
Was bekomme ich für eingespeisten Strom?
Einen fixen Tarif gibt es nicht mehr. Die OeMAG zahlt monatlich den Marktpreis: 2026 zwischen 6,1 Cent (Juli) und 10,2 Cent (September), im Jahresmittel rund 7 Cent; die Untergrenze liegt bei 60 Prozent des Quartalsmarktpreises der E-Control. Stromlieferanten bieten eigene Einspeisetarife, teils mit Aufschlag für die ersten 1.000 kWh. Die Faustregel bleibt: Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde ist 25 bis 30 Cent wert, eine eingespeiste 7 – also Eigenverbrauch maximieren, Waschmaschine mittags.
Muss ich die Einspeisung versteuern?
Bis 12.500 kWh im Jahr nicht, wenn die Anlage höchstens 35 kWp hat und der Anschluss höchstens 25 kWp (§ 3 Abs. 1 Z 39 EStG). Das ist ein Freibetrag je Person – ein Ehepaar als Miteigentümer hat 25.000 kWh frei –, und ein Einfamilienhaus mit 10 kWp erreicht ihn praktisch nie. Umsatzsteuer: Als Kleinunternehmer unter 55.000 Euro Umsatz bleibt die Einspeisung umsatzsteuerfrei. Der Eigenverbrauch aus PV ist von der Elektrizitätsabgabe befreit.
Brauche ich einen Speicher?
Für die Wirtschaftlichkeit meist nicht. Ein Balkonkraftwerk-Speicher um 800 bis 1.300 Euro verdoppelt die Anschaffung, hebt den Eigenverbrauch aber nur von 60–70 auf 80–90 Prozent – bei 800 kWh Ertrag sind das rund 150 kWh mehr selbst genutzt, also 40 Euro im Jahr. Bei Dachanlagen gilt Ähnliches; attraktiv wird der Speicher durch die EAG-Förderung (150 Euro je kWh) und wenn Sie E-Auto oder Wärmepumpe haben. Als Notstrom taugen die meisten Heimspeicher nur mit Ersatzstromfunktion, die extra kostet.

Erst den Verbrauch senken

Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde schlägt die erzeugte: Stromkosten senken – Anbieterwechsel und 15 Maßnahmen.

Hagel auf den Modulen?

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