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Ratgeber · Raumklima · Stand Oktober 2026

Hygrometer: Luftfeuchtigkeit richtig messen und richtig deuten

Welche Werte in welchem Raum gelten, warum die Zahl ohne Temperatur nichts sagt, wie Sie das Gerät für einen Euro Kochsalz prüfen – und wann Befeuchten oder Entfeuchten wirklich nötig ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wohnräume 40–60 %, Keller 50–65, Bad bis 70 kurzzeitig; im ungedämmten Altbau im Winter unter 50.
  • Relative Feuchte gilt nur mit Temperatur: Außenluft bei 0 °C und 90 % wird im Zimmer zu 24 %. Deshalb ist Heizungsluft trocken.
  • Digitales Markengerät ±2–3 %, Billig-Zeiger ±10 %. Prüfen mit dem Salztest: 75 % nach acht Stunden im Beutel.
  • Augenhöhe, 30 cm von der Wand, nicht an Heizung oder Fenster. Die kalte Ecke hinter dem Kasten misst es nicht.
  • Luftbefeuchter nur bei dauerhaft unter 40 % – und dann Verdunster, nicht Ultraschall (Stiftung Warentest 10/2025).

Optimale Luftfeuchtigkeit je Raum

RaumFeuchteTemperaturHinweis
Wohnzimmer, Büro40–60 %20–22 °Cim Winter eher 40–50, bei ungedämmter Außenwand unter 50
Schlafzimmer40–60 %16–18 °Cabends am unteren Rand: zwei Personen atmen nachts einen Liter aus
Kinderzimmer40–60 %20–22 °Chöher ist nicht gesünder; unter 40 trocknen Schleimhäute aus
Küche50–60 %18–20 °CKochspitzen sofort weglüften, Dunstabzug nach außen
Bad50–70 %22–24 °Cnach dem Duschen 90 %: sofort Fenster auf oder Lüfter 20 Minuten
Keller50–65 %10–15 °Cim Sommer nicht tagsüber lüften; über 65 dauerhaft: Entfeuchter

Richtwerte nach Umweltbundesamt und österreichischem Schimmelleitfaden. Über 60 Prozent dauerhaft beginnt die Schimmelzone an kalten Wänden, unter 30 Prozent über Tage die trockene Luft mit gereizten Schleimhäuten.

Luftfeuchte-Check: Was die Anzeige bedeutet und was zu tun ist

Raum wählen, Hygrometer-Werte und Außenwetter eintragen. Der Check bewertet den Wert, rechnet aus, was Lüften bringen würde, und sagt, ob befeuchten, lüften oder entfeuchten dran ist.

Bewertung

Zu feucht: über 60 % – Schimmelgefahr an kalten Wänden

Lüften hilft: Außenluft aufgewärmt ergibt 31 %. Fenster ganz auf, 5–10 Minuten, Heizkörper dabei zu, zwei- bis dreimal täglich. Möbel von der Außenwand, Wäsche raus aus dem Raum.

Wasser in der Luft: 9,5 g/m³ innen, 4,7 g/m³ außen. Außenluft auf 18,0 °C erwärmt hätte 31 % relative Feuchte.

Richtwerte nach Umweltbundesamt und Schimmelleitfaden; in ungedämmten Altbauwohnungen im Winter eher unter 50 % bleiben. Die relative Feuchte sagt nur zusammen mit der Temperatur etwas – deshalb immer beides messen.

Welches Hygrometer: Bauarten und Genauigkeit

BauartGenauigkeitWofür
Digital, kapazitiv±2–3 % bei Markengeräten, ±5 % bei BilligwareStandard für Wohnräume; Min/Max und Komfortanzeige helfen, Bluetooth-Modelle liefern den Verlauf
Analog, Haar oder Kunstfaser±3 % im mittleren Bereich, ±5 % unter 25 %Ohne Batterie, schön, aber alle sechs Monate regenerieren und mit dem Salztest nachstellen
Analog, Bimetall (Billigmodelle)±8–10 %Nur Dekoration – wer damit lüftet, lüftet falsch
Bluetooth / WLAN mit Appwie digital, plus DatenloggerAlarm bei 60 %, Verlauf über Wochen; der Verlauf ist das Beweismittel gegenüber dem Vermieter
Funk-Wetterstation mit Außensensoreninnen ±3 %, außen ±5 %Zeigt Innen und Außen nebeneinander – genau das, was man zum Lüften wissen muss

Kaufkriterium Nummer eins: Der Hersteller nennt eine Genauigkeit. Fehlt die Angabe, ist sie schlecht. Nummer zwei: Min/Max-Speicher – der Nachtwert im Schlafzimmer ist der, der zählt, und den sieht man morgens nur mit Speicher.

Hygrometer kalibrieren: der Salztest

  1. 01Salzbrei anrühren. Zwei Esslöffel Kochsalz in ein Schnapsglas, mit ein paar Tropfen Wasser zu feuchtem Brei verrühren – es darf kein freies Wasser stehen.
  2. 02Einschließen. Glas und Hygrometer in einen dicht verschlossenen Gefrierbeutel oder eine Dose, ohne dass das Gerät das Salz berührt. Zimmertemperatur, keine Sonne.
  3. 03Warten. Acht bis zwölf Stunden. Die gesättigte Kochsalzlösung stellt im Beutel physikalisch exakt 75 % relative Feuchte ein.
  4. 04Ablesen und nachstellen. Zeigt das Gerät 72 bis 78 %, ist es brauchbar. Analoge Geräte mit der Schraube auf der Rückseite auf 75 stellen; digitale notieren die Abweichung oder haben eine Kalibrierfunktion. Mehr als 5 % daneben: ersetzen.

Für einen zweiten Prüfpunkt im Wohnbereich eignet sich Magnesiumchlorid (33 %) oder Kaliumcarbonat (43 %) aus der Apotheke. Haarhygrometer vor dem Test regenerieren: eine Stunde in ein feuchtes Tuch wickeln, dann müssen sie 95 bis 100 % zeigen.

Geräte, die sich bewährt haben

Ausgewählt nach angegebener Genauigkeit, Min/Max-Speicher und Bewertungszahl. Für Wohnräume reicht das Zehn-Euro-Gerät – wenn es in jedem Raum eines gibt.

Häufige Fragen zu Hygrometer und Luftfeuchtigkeit

Welche Luftfeuchtigkeit ist optimal?
In Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmern 40 bis 60 Prozent bei 18 bis 22 Grad, in der Küche 50 bis 60, im Bad bis 70 kurz nach dem Duschen, im Keller 50 bis 65. Das Umweltbundesamt rät, 60 Prozent nie dauerhaft zu überschreiten, und in schlecht gedämmten Wohnungen im Winter unter 50 zu bleiben, weil an kalten Außenwänden die Feuchte viel höher ist als in der Raummitte. Unter 30 Prozent über mehrere Tage gilt als trockene Luft mit gereizten Schleimhäuten – im Winter ab 40 ist das Ziel.
Warum ist die Luft im Winter so trocken, obwohl es draußen regnet?
Weil die relative Feuchte von der Temperatur abhängt. Außenluft mit null Grad und 90 Prozent enthält nur 4,4 Gramm Wasser je Kubikmeter; aufgewärmt auf 21 Grad kann dieselbe Luft 18 Gramm halten – sie ist dann zu 24 Prozent gesättigt. Jedes Lüften im Frost tauscht also feuchte Raumluft gegen trockene. Deshalb reicht im Winter kurzes Stoßlüften, und deshalb bringt Lüften gegen trockene Luft nichts, außer bei Tauwetter. Der Luftfeuchte-Check oben rechnet das für Ihre Werte durch.
Wo stelle ich das Hygrometer hin?
Auf Augenhöhe, mindestens 30 Zentimeter von der Wand, nicht an Heizung, Fenster, Tür oder in die Sonne, nicht auf der Außenwand. Dort misst es die Raumluft – und nur die. Ob die Ecke hinter dem Kasten schimmelt, entscheidet die Wandtemperatur dort, nicht der Wert in der Raummitte; dafür gibt es den Taupunkt-Rechner auf der Schimmel-Seite oder ein Infrarotthermometer. Ein Gerät pro Raum, der Sie interessiert: Schlafzimmer, Kinderzimmer, Bad, Keller.
Wie genau sind Hygrometer, und wie prüfe ich das?
Gute digitale Geräte liegen bei zwei bis drei Prozent, billige bei fünf, Bimetall-Zeiger bei zehn. Prüfen geht mit dem Salztest: gesättigte Kochsalzlösung und Gerät acht Stunden in einen dichten Beutel, dann muss es 75 Prozent zeigen. Haarhygrometer brauchen das zweimal im Jahr und dazwischen eine Regeneration mit feuchtem Tuch. Zwei Geräte nebeneinander, die drei Prozent auseinanderliegen, sind beide in Ordnung.
Luftfeuchtigkeit erhöhen: Hilft ein Luftbefeuchter?
Erst messen – oft ist es nur das Gefühl trockener Heizungsluft bei 45 Prozent, und da hilft ein Grad weniger Temperatur mehr als ein Gerät. Liegt das Hygrometer tagelang unter 40, dann ja: Die Stiftung Warentest hat im Oktober 2025 acht Geräte getestet, gut waren nur zwei Kalt-Verdunster (Beurer LB 300 Plus und Xiaomi Smart Evaporative); alle Ultraschall-Vernebler bliesen Keime aus dem Tank in die Luft und verteilen Kalkstaub. Verdunster brauchen wenig Strom, müssen aber wöchentlich gereinigt werden. Wäsche im Zimmer trocknen, Pflanzen und Wasserschalen am Heizkörper bringen zwei bis fünf Prozent.
Luftfeuchtigkeit senken ohne Entfeuchter?
Im Winter: zwei- bis dreimal täglich Stoßlüften, sofort nach Duschen und Kochen, Wäsche nicht in Wohnräumen, Aquarien und viele Pflanzen reduzieren, Räume nicht unter 16 Grad auskühlen lassen, Türen zu kühleren Räumen zu. Im Sommer hilft Lüften nur nachts. Reicht das nicht, zeigt der Luftentfeuchter-Ratgeber, welches Gerät für welchen Raum passt.
Brauche ich im Kinderzimmer besondere Werte?
Nein, 40 bis 60 Prozent bei 20 bis 22 Grad wie im Wohnzimmer, nachts im Schlaf 18 Grad. Bei Erkältung hilft Befeuchten auf 50 bis 60 für ein paar Tage, dauerhaft über 60 schadet mehr, als es nützt. Vernebler gehören nicht ins Kinderzimmer (Keime, Kalkstaub); wenn, dann Verdunster oder ein feuchtes Handtuch über dem Heizkörper.
Was bedeutet die Komfortanzeige (Smiley) auf dem Hygrometer?
Eine Faustregel des Herstellers, meist: lachend bei 40 bis 60 Prozent und 20 bis 26 Grad, neutral oder traurig außerhalb. Sie kennt weder Ihren Raum noch die Jahreszeit – im Schlafzimmer bei 17 Grad ist der traurige Smiley normal. Die Zahlen zählen, nicht das Gesicht.

Zu feucht

Taupunkt-Rechner und Schimmel entfernen: Schimmel in der Wohnung; welches Gerät für welchen Raum: Luftentfeuchter.

Zu kalt

Räume unter 16 Grad schimmeln – was Heizen kostet und was der Vermieter schuldet: Heizungsausfall und Stromkosten senken.

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