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Ratgeber · Österreich · Stand Oktober 2026

Infrarotheizung: Kosten, Stromverbrauch und wann sie sich lohnt

Billig in der Anschaffung, teuer im Betrieb – so lautet die Kurzfassung der Energieberatung. Wann das trotzdem die richtige Wahl ist, was es in der Mietwohnung zu beachten gibt und was das Bad-Paneel wirklich kostet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Kilowattstunde Strom wird eine Kilowattstunde Wärme – rund 29 Cent. Die Wärmepumpe schafft dasselbe für 9, Gas für 11.
  • Richtwert 60–80 Watt pro m² im Bestand, 40–60 im Neubau, bis 100 im Altbau. Paneele kosten 50–90 € je 100 Watt.
  • Sinnvoll als Zusatzheizung (Bad, Büro, Zweitwohnsitz) und im Passivhaus. Als Hauptheizung im Bestand raten klimaaktiv, VKI und Landesenergieberatungen ab.
  • Keine Förderung, kein sinnvoller Heizstromtarif, aber auch kein Verbot (außer Vorarlberg im Neubau).
  • Mietwohnung: Steckerfertig ohne Zustimmung, Festanschluss nach § 9 MRG anzeigen.

Wie viel Leistung ein Raum braucht

GebäudeLeistung je m²Heizwärmebedarf je m² und Jahr
Passiv-/Niedrigstenergiehaus (A+, A++)30–40 W≤ 15 kWh
Gut gedämmter Neubau40–60 W30–50 kWh
Durchschnittlicher Bestand, teilsaniert60–80 W70–100 kWh
Unsanierter Altbau80–100 W, Außenwände bis 150120–200 kWh

Ein Bad mit 8 m² im Bestand braucht also rund 500 Watt – ein 600-Watt-Paneel. Ein Wohnzimmer mit 25 m² und zwei Außenwänden im Altbau 2.000 bis 2.500 Watt, also drei bis vier Paneele oder zwei große an der Decke. Den Heizwärmebedarf Ihres Gebäudes finden Sie im Energieausweis unter „HWB“.

Infrarot-Kostenrechner

Leistung, Anschaffung und Jahresstromkosten – als Zusatzheizung oder als Hauptheizung im Vergleich zu Wärmepumpe und Gas.

Leistung & Anschaffung

560 W

≈ 1 Paneel à 600 W, etwa € 392

Stromverbrauch / Jahr

141 kWh

Infrarot: € 41 pro Jahr

Zum Vergleich

Ein Heizlüfter gleicher Leistung verbraucht dasselbe, wärmt aber die Luft statt der Wände – im Bad für zwei Stunden fast gleichwertig, bei Dauerbetrieb schlechter.

Richtwerte nach klimaaktiv-Ratgeber und Energieinstitut Vorarlberg; Heizwärmebedarf 15/45/90/150 kWh je m² und Jahr, Infrarot mit Korrekturfaktor 0,9 für intermittierenden Betrieb, Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,2, Gas 10 ct je kWh bei 90 % Kesselwirkungsgrad. Warmwasser ist nicht enthalten – Infrarot kann es nicht, dafür braucht es Boiler oder Brauchwasser-Wärmepumpe.

Infrarot, Wärmepumpe, Gas: der Vergleich

InfrarotWärmepumpeGas-Brennwert
Anschaffung Einfamilienhaus 120 m²4.000–7.000 €15.000–30.000 € vor Förderung8.000–12.000 €
Betriebskosten je kWh Wärme≈ 29 ct (Strompreis)≈ 9 ct (Strom ÷ JAZ 3,2)≈ 11 ct (Gas 10 ct ÷ 0,9)
Wartungkeine150–300 €/Jahr150–250 €/Jahr
Warmwassernicht möglich, extra Gerätinklusiveinklusive
FörderungkeineLänder, Bund ausgesetztkeine
Lebensdauer20–30 Jahre, Elektronik 10–1515–25 Jahre15–20 Jahre
Platznur die PaneeleAußengerät, PufferspeicherGerät, Abgas

Was die unabhängigen Stellen sagen: Der klimaaktiv-Ratgeber des Bundes rät „in den meisten Fällen“ von Infrarot als Hauptheizung ab und nennt Betriebskosten von zwei- bis dreimal Gas und drei- bis viermal Wärmepumpe. Das Energieinstitut Vorarlberg hält sie im Neubau nur bei Heizwärmebedarf bis 15 kWh/m²a für vertretbar. Der VKI empfiehlt sie für Zweitwohnsitze, nicht für den Hauptwohnsitz. Kostenlose Beratung für das eigene Haus: die Energieberatung des Bundeslandes über klimaaktiv.at. Für den Umstieg auf Wärmepumpe mit Förderung: Wärmepumpen-Förderung und Amortisationsrechner.

Wo Infrarot die richtige Wahl ist

  1. 01Bad. Zwei Stunden am Morgen und Abend, 400 bis 600 Watt, Spiegel- oder Wandpaneel: die beste Anwendung überhaupt. Kosten 50 bis 80 Euro pro Winter, die Zentralheizung kann dafür im Bad kleiner laufen.
  2. 02Büro, Hobbyraum, Werkstatt, Gartenhaus. Räume, die nur stundenweise benutzt werden und sonst kalt bleiben dürfen. Strahlungswärme wirkt sofort auf den Menschen, die Luft muss nicht erst warm werden.
  3. 03Zweitwohnsitz, Ferienwohnung. Keine Wartung, kein Frostschutzproblem bei Entleerung, per App vorheizen. Der VKI nennt genau diesen Fall als sinnvoll.
  4. 04Passivhaus, kleine Neubauwohnung mit HWB unter 15. Wenn das Haus kaum Wärme braucht, ist die Wasserheizung samt Heizraum teurer als der Strom. Das Energieinstitut Vorarlberg hält Infrarot hier für vertretbar – mit Brauchwasser-Wärmepumpe fürs Warmwasser.
  5. 05Übergangszeit statt Hochfahren der Heizung. Im Oktober und April ein Paneel im Wohnzimmer statt des ganzen Heizkreises.

Mietwohnung, Neubau, Förderung: die Rechtslage

Mietwohnung: Aufhängen und einstecken ist keine wesentliche Veränderung – ohne Zustimmung erlaubt, beim Auszug mitnehmen. Fester Anschluss, Deckenmontage mit Verkabelung oder ein eigener Stromkreis: im Altbau schriftlich anzeigen, zwei Monate Schweigen gilt als Zustimmung § 9 MRG; im freifinanzierten Neubau ausdrückliche Zustimmung nötig; eigenmächtig heißt Rückbau OGH 5 Ob 131/23k. Stellt der Vermieter Paneele als Heizung, muss er sie auch erhalten § 3 Abs. 2 Z 2a MRG. Neubau: kein Verbot, außer Vorarlberg (Bautechnikverordnung, Hauptheizung nur unter 12 kg CO₂/m²a); Energieausweis mit HWB bis 30 muss passen. Förderung: keine – weder Bund noch Länder fördern Strom-Direktheizungen; „Förderaktionen“ der Händler sind Rabatte. Elektrik: ab etwa 2.000 Watt je Raum vom Elektriker Stromkreis und Hausanschluss prüfen lassen, in Altbauten mit 25-A-Anschluss ist die Grenze schnell erreicht.

Paneele, die sich bewährt haben

Worauf es ankommt: Thermostat (ohne läuft das Paneel durch), Überhitzungsschutz, Herstellergarantie von fünf Jahren, Montage an Wand oder Decke mit Abstand 1,8 m zum Boden. Die hier gelisteten Geräte haben tausende Bewertungen und einen Hersteller, der nach drei Jahren noch existiert.

Häufige Fragen zur Infrarotheizung

Wie viel Strom verbraucht eine Infrarotheizung?
Exakt ihre Nennleistung pro Betriebsstunde: ein 600-Watt-Paneel 0,6 kWh, bei 29 Cent also 17 Cent pro Stunde. Mit Thermostat läuft es nicht durchgehend, in einem normal gedämmten Raum etwa 60 bis 70 Prozent der eingeschalteten Zeit. Zwei Stunden täglich im Bad über den Winter: rund 150 kWh, 45 Euro. Als Hauptheizung für 80 m² Bestandswohnung: 6.000 bis 7.000 kWh, 1.700 bis 2.000 Euro im Jahr – das Dreifache einer Wärmepumpe.
Wie viel Watt pro Quadratmeter brauche ich?
Im gut gedämmten Neubau 40 bis 60 Watt, im durchschnittlichen Bestand 60 bis 80, im unsanierten Altbau 80 bis 100, bei Räumen mit zwei Außenwänden und großen Fenstern auch 120 bis 150. Lieber ein Paneel zu groß als zu klein: Ein unterdimensioniertes Paneel läuft durch, erreicht die Temperatur nie und verbraucht am Ende mehr. Pro Raum zählt die gesamte Fläche, nicht der Sitzplatz – Strahlung wärmt nur, was sie sieht, hinter Sofa und Kasten bleibt es kalt.
Infrarot oder Wärmepumpe?
Bei den Betriebskosten gewinnt die Wärmepumpe mit Abstand: Sie macht aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme, Infrarot genau eine. Der beworbene „Wirkungsgrad von 100 Prozent“ ist physikalisch richtig und wirtschaftlich irreführend. Bei der Anschaffung liegt Infrarot bei einem Viertel bis Fünftel, dafür gibt es keine Förderung. Die Rechnung kippt nur bei sehr geringem Wärmebedarf (Passivhaus, kleine Wohnung, Zweitwohnsitz), wo die Ersparnis bei der Anschaffung die höheren Stromkosten über 20 Jahre nicht mehr aufholen muss. Der Rechner oben zeigt beide Zahlen.
Gibt es eine Förderung für Infrarotheizungen?
Nein. Die Sanierungsoffensive des Bundes („Raus aus Öl und Gas“) und die Landesförderungen fördern den Umstieg von fossil auf erneuerbar – Wärmepumpe, Pellets, Fernwärme. Strom-Direktheizungen sind ausdrücklich nicht förderfähig; was Händler als „Förderung“ bewerben, sind Rabatte. Einen eigenen Heizstromtarif gibt es nur mit unterbrechbarem Zweitzähler, und der lohnt sich für tagsüber laufende Paneele praktisch nie.
Darf ich in der Mietwohnung eine Infrarotheizung montieren?
Steckerfertige Paneele, die an die Wand gehängt oder auf Füße gestellt werden, sind eine unwesentliche Veränderung – dafür braucht es keine Zustimmung, beim Auszug kommen sie mit. Fester Elektroanschluss, Deckenmontage mit Verkabelung oder ein neuer Stromkreis sind eine wesentliche Veränderung: Im Altbau (Vollanwendung MRG) schriftlich mit Plan und Elektriker anzeigen; schweigt der Vermieter zwei Monate, gilt das als Zustimmung (§ 9 MRG). Im freifinanzierten Neubau gilt § 9 nicht, dort braucht es die ausdrückliche Zustimmung. Wer eigenmächtig bohrt und verkabelt, muss beim Auszug zurückbauen (OGH 5 Ob 131/23k). Und: Die Leitungen alter Wohnungen vertragen oft nur einen 16-A-Kreis pro Raum – 2.000 Watt plus Fön plus Waschmaschine ist zu viel.
Ist eine Infrarotheizung im Neubau verboten?
Nein, außer in Vorarlberg. Ein Verbot von Elektro-Direktheizungen als Hauptheizung stand im Entwurf der OIB-Richtlinie 6, wurde 2015 gestrichen; 2019 fiel auch die Zentralheizungspflicht für Strom im Geschoßwohnbau. Vorarlberg verbietet Direkt-Widerstandsheizungen als Hauptheizung im Neubau, außer das Gebäude bleibt unter 12 kg CO₂ pro m² und Jahr. Überall muss der Energieausweis passen (Neubau: Heizwärmebedarf höchstens 30 kWh/m²a), und die ÖNORM H 5056-1 rechnet Infrarot mit einem Bonus für intermittierenden Betrieb – nicht jeder Energieausweis-Aussteller kennt den.
Was sind die Nachteile?
Strom ist der teuerste Energieträger; im Winter kommt er zu großen Teilen aus Gas- und Kohlekraftwerken, die eigene PV-Anlage liefert dann fast nichts. Die Wärme ist weg, sobald das Paneel aus ist – kein Speichern. In schlecht gedämmten Räumen bleibt die Behaglichkeit schlecht, weil Wände kalt strahlen. Warmwasser braucht ein eigenes Gerät. Der Hausanschluss kann zu klein sein. Es gibt keine Produktnorm, die Qualität reicht von Industriepaneelen bis zu Billigware mit 3 Jahren Lebensdauer; Garantie und Hersteller zählen. Und beim Verkauf des Hauses ist „reine Stromheizung“ ein Preisargument gegen Sie.
Ist Infrarotstrahlung gesundheitlich bedenklich?
Nein. Die Paneele geben langwellige Infrarot-C-Strahlung ab, dieselbe wie ein Kachelofen oder die Sonne auf der Haut im Schatten, ohne UV. Oberflächentemperaturen liegen bei 80 bis 110 Grad; Kinder und Haustiere sollten nicht dauerhaft anfassen, deshalb Montage ab 1,8 m oder an der Decke. Elektrosmog: ein Widerstandsheizdraht, keine Funktechnik – weniger Feld als die Steckdosenleiste. Positiv: keine Luftumwälzung, kein Staub, trockene Wände.

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