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Ratgeber · Österreich

Wasserschaden in der Wohnung: Wer zahlt?

Rohrbruch, Waschmaschine, Nachbar von oben: welche Versicherung welchen Teil übernimmt, welche Pflichten die Polizze setzt und was Mieter vom Vermieter verlangen können.

Jetzt: Haupthahn zu, Strom aus, fotografieren

Absperren, bevor Sie suchen, woher es kommt. Strom im nassen Bereich abschalten. Dann Fotos von allem, bevor aufgewischt wird – sie sind Ihr Beweis. Erst danach Hausverwaltung, Nachbarn und Versicherung anrufen.

Wer zahlt was: die typischen Fälle

Die Haushaltsversicherung deckt Leitungswasser: Sachschäden „durch die unmittelbare Einwirkung von Leitungswasser, das aus wasserführenden Rohrleitungen, Armaturen oder angeschlossenen Einrichtungen austritt“ (ABHD 2024). Die Gebäudeversicherung zahlt dasselbe für Wände, Böden und Leitungen. Alles, was von außen kommt, ist etwas anderes.

Rohr in der Wand platzt, Boden und Wände sind nass, Möbel beschädigt

Gebäudeversicherung für Bausubstanz, Haushaltsversicherung für den Inhalt

In der Mietwohnung ist die Gebäudeversicherung Sache des Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft. Sie melden den Inhalt Ihrer Haushaltsversicherung und den Bauschaden der Hausverwaltung.

Zulaufschlauch der Waschmaschine reißt, eigene Wohnung

Haushaltsversicherung

Versichert ist Wasser, das „aus wasserführenden Rohrleitungen, Armaturen oder angeschlossenen Einrichtungen austritt“ (ABHD 2024). Die Waschmaschine ist eine angeschlossene Einrichtung. Ihre Reparatur selbst ist nicht gedeckt, nur die Folgen.

Wasser kommt vom Nachbarn über Ihnen

Ihre Haushaltsversicherung, die sich beim Nachbarn erholt – oder direkt dessen Privathaftpflicht

Ihre Polizze zahlt unabhängig davon, wessen Leitung undicht war. Hat der Nachbar schuld, etwa weil er die Badewanne überlaufen ließ, regressiert Ihr Versicherer bei seiner Haftpflicht. Ohne Verschulden bleibt es bei Ihrer Versicherung, und der Nachbar zahlt seinen eigenen Schaden.

Undichte Silikonfuge in der Dusche, Wasser zieht in den Boden

Haushaltsversicherung, wenn die Bedingungen es einschließen

Die ABHD 2024 decken Schäden „infolge Wasseraustritt durch undichte Silikon- und Fliesenfugen“ ausdrücklich, verlangen aber, dass die Fugen „ordnungsgemäß instand zu halten“ sind. Ältere Bedingungen kennen diese Klausel nicht.

Leitung im unbeheizten Haus friert, Rohr platzt

Haushaltsversicherung – wenn Sie die Frostvorschrift eingehalten haben

Frostschäden an Heizung, Armaturen und Bad sind mitversichert. Aber: Wird das Gebäude länger als 72 Stunden verlassen, müssen die Wasserzuleitungen abgesperrt und Frostmaßnahmen getroffen sein. Sonst kürzt oder verweigert der Versicherer.

Starkregen, Wasser drückt aus dem Kanal in den Keller

Niemand – außer die Polizze hat den Baustein „außergewöhnliche Naturereignisse“

Grundwasser, Hochwasser, Überschwemmung und „dadurch verursachten Rückstau“ schließen die Leitungswasserbedingungen aus. Das ist kein Leitungswasser, sondern Wetter. Wie der Zusatzbaustein funktioniert, steht im Unwetter-Ratgeber.

Aquarium bricht, Wasserbett leckt

Nur wenn ausdrücklich in der Polizze vereinbart

Standardmäßig nicht gedeckt, viele Versicherer bieten es als Einschluss an. Fische und Pflanzen sind nie versichert.

Feuchte Wand seit Jahren, Schwamm und Holzfäule

Niemand

Schäden durch Holzfäule, Vermorschung und Schwammbildung sind ausgeschlossen. Dauernde Feuchtigkeit ist ein Instandhaltungsproblem, kein Versicherungsfall. Beim Mieter ist es Sache des Vermieters (§ 1096 ABGB).

Die Pflichten, an denen Zahlungen scheitern

Leitungswasser ist der Schaden, bei dem Versicherer am genauesten nach Obliegenheiten fragen. Drei stehen in praktisch jeder Polizze:

  • 72-Stunden-Regel. Wird das Gebäude länger als 72 Stunden verlassen, sind alle Wasserzuleitungen abzusperren und Frostmaßnahmen zu treffen (ABHD 2024). In der Frostperiode verlangen manche Bedingungen eine Heizungskontrolle alle drei Tage, wenn die Heizung nicht durchläuft.
  • Instandhaltung. Leitungen, Armaturen und angeschlossene Geräte sind ordnungsgemäß instand zu halten – der poröse Schlauch, die seit Jahren tropfende Armatur und die schwarze Silikonfuge sind Ihr Risiko.
  • Unverzügliche Meldung und Schadenminderung. Melden, sobald Sie vom Schaden wissen (§ 33 VersVG), und den Schaden gering halten (§ 62 VersVG). Wer eine Woche wartet, bis die Wand trocken ist, verliert Beweis und Anspruch.

Verletzt heißt nicht automatisch leer ausgehen: Bei leichter Fahrlässigkeit bleibt die Leistung, bei grober darf der Versicherer kürzen, bei Vorsatz ist er frei § 6 VersVG. Die Grenze zieht im Streit das Gericht.

Mieter, Vermieter, Nachbar: wer schuldet wem was

Vermieter

Muss die Wohnung „auf eigene Kosten in brauchbarem Stande“ erhalten § 1096 ABGB: Rohre, Wände, Böden, Trocknung der Bausubstanz. Seine Gebäudeversicherung zahlt.

Mieter

Trägt den Inhalt, darf bei Unbrauchbarkeit den Zins mindern § 1096 ABGB und haftet dem Vermieter nur bei eigenem Verschulden § 1111 ABGB, dann zahlt seine Privathaftpflicht.

Nachbar

Haftet für Ihren Schaden nur bei Verschulden, etwa dem überlaufenden Bad. Ein geplatztes Rohr ohne Vorwarnung ist keines. Ihre Haushaltsversicherung zahlt trotzdem und holt sich das Geld bei ihm, wenn es geht.

Vorbeugen: zwei Dinge, die den häufigsten Schaden verhindern

Die meisten Wasserschäden in Wohnungen entstehen an der Waschmaschine und am Geschirrspüler, und zwar nicht im Gerät, sondern am Schlauch dahinter. Ein Aquastop-Schlauch sperrt den Zulauf bei einem Riss selbst ab; ein Wassermelder am Boden schlägt Alarm, bevor das Wasser beim Nachbarn ankommt. Beides zusammen kostet weniger als der Selbstbehalt eines einzigen Schadens.

  • Zulaufschläuche alle fünf bis acht Jahre tauschen, Metallgeflecht oder Aquastop statt blankem Gummi.
  • Wasserhahn der Waschmaschine nach dem Waschen zudrehen, bei Abwesenheit den Absperrhahn der Wohnung.
  • Silikonfugen jährlich prüfen; schwarze oder gerissene Fugen erneuern, bevor die Versicherung „Wartungsfuge“ sagt.
  • Heizung im Winter nie ganz abstellen, Frostwächter auf mindestens sechs Grad.
  • Absperrhahn kennen: Jeder im Haushalt sollte wissen, wo der Haupthahn ist und dass er sich noch drehen lässt.

🛋️ Wasserschaden melden

Die Schadensmeldung Haushalt führt durch Ursache, Umfang und Belege, so wie es der Versicherer braucht.

🌧️ Wasser von außen

Regen, Hochwasser, Rückstau aus dem Kanal: Das ist kein Leitungswasser. Was dann gilt, steht im Ratgeber Unwetterschaden: Wer zahlt?.

Häufige Fragen zum Wasserschaden

Was muss ich in der ersten Stunde tun?
Haupthahn zu, Strom im betroffenen Bereich abschalten, dann fotografieren, bevor Sie aufwischen. Wasser mit Handtüchern und Kübeln aufnehmen, Möbel hochstellen oder wegtragen, Teppiche raus. Danach Hausverwaltung oder Vermieter und den betroffenen Nachbarn informieren und den Schaden Ihrer Versicherung melden – unverzüglich, das verlangt § 33 VersVG. Sie sind zur Schadenminderung verpflichtet (§ 62 VersVG); die Kosten dafür, etwa Trocknungsgeräte, ersetzt der Versicherer in der Regel.
Wer zahlt, wenn das Wasser vom Nachbarn kommt?
Zuerst Ihre eigene Haushaltsversicherung, denn sie deckt Leitungswasser unabhängig davon, aus wessen Leitung es kam. Hat der Nachbar den Schaden verschuldet, holt sich Ihr Versicherer das Geld von seiner Privathaftpflicht zurück. Ohne Haushaltsversicherung müssen Sie den Nachbarn direkt in Anspruch nehmen und sein Verschulden beweisen, etwa den vergessenen Wasserhahn. Ein geplatztes Rohr in der Wand ist meist niemandes Schuld, dann bleibt jeder auf seinem Schaden sitzen, sofern er nicht versichert ist.
Ich bin Mieter. Was zahlt der Vermieter, was ich?
Der Vermieter muss die Wohnung „auf eigene Kosten in brauchbarem Stande“ erhalten (§ 1096 ABGB): Rohre, Wände, Böden, Fenster sind seine Sache und die seiner Gebäudeversicherung. Ihre Möbel, Geräte und Kleidung sind Ihre Sache und die Ihrer Haushaltsversicherung. Haben Sie den Schaden verschuldet, etwa durch einen nie getauschten, brüchigen Schlauch, haften Sie dem Vermieter für den Gebäudeschaden (§ 1111 ABGB); Ihre Privathaftpflicht in der Haushaltsversicherung übernimmt das. Der Vermieter muss seinen Anspruch binnen eines Jahres nach Rückgabe der Wohnung geltend machen.
Darf ich die Miete mindern, solange die Wohnung nass ist?
Ja. Ist die Wohnung ohne Ihr Verschulden teilweise unbrauchbar, sind Sie „für die Dauer und in dem Maße der Unbrauchbarkeit von der Entrichtung des Zinses befreit“ (§ 1096 Abs. 1 ABGB). Ein unbenutzbares Bad oder ein Zimmer voller Trocknungsgeräte rechtfertigt eine anteilige Minderung. Kündigen Sie die Minderung schriftlich an, dokumentieren Sie den Zustand und zahlen Sie den geminderten Betrag, statt gar nichts zu überweisen.
Die Versicherung will wissen, wie alt der Schlauch war. Warum?
Weil Obliegenheiten gelten: Leitungen und angeschlossene Einrichtungen sind „ordnungsgemäß und vorschriftsmäßig instand“ zu halten. Ein zehn Jahre alter, poröser Gummischlauch kann als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden, dann darf der Versicherer kürzen. Wer den Zulaufschlauch alle fünf bis acht Jahre tauscht oder einen Aquastop-Schlauch verwendet, hat dieses Argument nicht gegen sich.
Wir fahren drei Wochen auf Urlaub. Was verlangt die Polizze?
Wird das Gebäude länger als 72 Stunden von allen Personen verlassen, sind nach den ABHD 2024 „alle Wasserzuleitungen abzusperren und geeignete Maßnahmen gegen Frostschäden zu treffen“. Die ÖAMTC-Bedingungen verlangen in der Frostperiode zusätzlich eine Heizungskontrolle alle drei Tage, wenn die Heizung nicht durchläuft. Im Mehrparteienhaus reicht meist der Absperrhahn in der Wohnung. Vergessen Sie ihn, und das Rohr platzt in Woche zwei, ist das eine Obliegenheitsverletzung.
Zahlt die Versicherung die Suche nach dem Leck und das Aufstemmen?
Die Kosten der Leckortung und des Aufstemmens gehören zum Gebäudeschaden und damit zur Gebäudeversicherung; viele Haushaltspolizzen übernehmen Suchkosten bis zu einem Höchstbetrag, wenn der Schaden am Inhalt versichert ist. Lassen Sie den Installateur nichts aufstemmen, bevor der Versicherer zugestimmt hat oder der Schaden dokumentiert ist – außer es läuft weiter Wasser.
Wie lange dauert die Trocknung, und wer zahlt den Strom?
Trocknungsgeräte laufen je nach Aufbau zwei bis sechs Wochen und verbrauchen spürbar Strom. Die Stromkosten sind Teil der Schadenbeseitigung und werden vom zuständigen Versicherer ersetzt, wenn Sie den Zählerstand vor und nach der Trocknung festhalten. Fotografieren Sie den Zähler beim Aufstellen und beim Abholen der Geräte.

Verwandt: Haushaltsgerät kaputt: Wer zahlt? – wenn die Waschmaschine selbst der Schaden ist, nicht das Wasser. Mietvertrag-Ratgeber – Wartungspflichten und Übergabeprotokoll.

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Quellen: Haushaltsbedingungen ABHD 2024 und ÖAMTC ABH 2022 · § 1096 ABGB · § 1111 ABGB · §§ 6, 33, 62 VersVG · VKI: Haushaltsversicherungen und Wasserschäden

Unverbindliche Information, keine Rechts- oder Versicherungsberatung. Stand: 30. September 2026. Die Bedingungen unterscheiden sich von Gesellschaft zu Gesellschaft – maßgeblich ist ausschließlich der Wortlaut Ihrer Polizze. Für den Einzelfall wenden Sie sich an eine Versicherungsmaklerin oder einen Rechtsanwalt.