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Ratgeber · Österreich · Stand Oktober 2026

Notstromaggregat: welche Größe, welcher Treibstoff, was erlaubt ist – oder reicht eine Powerstation?

Wer ein Aggregat wirklich braucht, wie groß es sein muss, wo es stehen darf und warum es nie an eine Steckdose im Haus gehört. Mit Notstrom-Rechner.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Licht, Router, Kühlschrank und Heizungssteuerung reichen meist 1–2 kW; Pumpen brauchen wegen des Anlaufstroms mehr.
  • Ein Aggregat läuft nur im Freien, mindestens 3 m von Fenstern und Türen – nie in Keller oder Garage.
  • Nie über eine Steckdose ins Hausnetz speisen: Einspeisung nur mit Umschalter vom Elektriker.
  • Lagern: Das Land Steiermark empfiehlt höchstens 20 l Benzin bzw. 60 l Diesel.
  • Für Wohnung, Router und medizinische Geräte ist eine Powerstation oft die bessere Wahl.

Brauche ich überhaupt ein Notstromaggregat?

Der Österreichische Zivilschutzverband empfiehlt Aggregate für normale Privathaushalte nicht: teuer, Brandgefahr durch den gelagerten Treibstoff und Lebensgefahr durch Kohlenmonoxid. Ein großflächiger Blackout gilt als sehr unwahrscheinlich; häufiger sind örtliche Ausfälle nach Unwettern. Für manche Häuser ist Notstrom trotzdem sinnvoll:

Eher jaHaus mit Brunnen oder Hauswasserwerk, Heizung, die ohne Strom nicht läuft, Keller mit Tauchpumpe in Hochwassergebieten, abgelegene Lage mit häufigen Stromausfällen, Tiere oder Kühlware in größerem Umfang.
Eher PowerstationMedizinisches Gerät wie ein Atemtherapiegerät, Router, Licht und Handys in der Wohnung – ein Akku ohne Abgase darf drinnen stehen und springt ohne Zeitverlust ein.
Eher neinMietwohnung ohne Garten oder Freifläche: Kein sicherer Aufstellort, keine erlaubte Lagerung für Treibstoff. Hier reichen Powerbank, Kurbelradio und Vorrat.

Was jeder Haushalt ohne Aggregat vorbereiten sollte: Blackout-Vorsorge.

Notstrom-Rechner: Wie viel Leistung brauche ich?

Geräte ankreuzen – der Rechner zeigt Leistung, Anlaufspitze, Strom pro Tag, die passende Aggregatgröße, den Benzinverbrauch und ob eine Powerstation reicht.

Was soll im Notfall laufen?

Leistung

380 W

Anlaufspitze bis 830 W

Strom pro Tag

3,7 kWh

1-kWh-Powerstation: ca. 6 h

Benzin pro Tag

4,9 l

20-l-Kanister reicht ca. 4,1 Tage

Dafür braucht es ein Aggregat mit mindestens 1 kW Dauerleistung – für Elektronik und Heizungssteuerung als Inverter mit reiner Sinusspannung. Betrieb nur im Freien, mindestens 3 m von Fenstern und Türen.
Heizungen sind meist fest angeschlossen, nicht mit Stecker. Ans Aggregat kommen sie nur über eine Notstrom-Einspeisung, die ein Elektriker mit Umschalter einbaut – nie über eine Steckdose rückspeisen. Fragen Sie auch den Heizungshersteller, ob die Steuerung Aggregatstrom verträgt.

Typische Werte – maßgeblich ist das Typenschild Ihrer Geräte. Motoren (Kühlschrank, Pumpen) ziehen beim Anlaufen ein Mehrfaches ihrer Leistung; der Rechner nimmt an, dass nicht zwei gleichzeitig anlaufen, schlägt 25 % Reserve auf und rechnet die Anlaufspitze auf die Dauerleistung – damit liegen Sie auf der sicheren Seite. Benzinverbrauch als Faustwert nach Herstellerdaten eines 1,8-kW-Inverters; offene Baustellen-Aggregate brauchen mehr, Diesel etwas weniger. Das Land Steiermark empfiehlt, zu Hause höchstens 20 Liter Benzin zu lagern.

Aggregat oder Powerstation?

NotstromaggregatPowerstation
Anschaffungab rund 300 € (2-kW-Inverter)ab rund 500 € (1 kWh)
Betrieb drinnennie – Kohlenmonoxidja, keine Abgase
Laufzeitso lange Treibstoff da istbis der Akku leer ist, Nachladen per Solarmodul
SpitzenleistungPumpen und Heizung möglichmeist 1.500–2.000 W
Lärmdeutlich hörbar, auch für Nachbarnleise
PflegeProbelauf, Ölwechsel, Treibstoff erneuernalle paar Monate nachladen

Beide lassen sich kombinieren: Die Powerstation versorgt drinnen leise Router, Licht und Medizingerät, das Aggregat lädt sie draußen ein- bis zweimal am Tag nach.

Inverter, Benzin, Diesel oder Gas

BauartWofür
Benzin-Inverter (1–3 kW)Leise, leicht, saubere Sinusspannung für Elektronik und Heizungssteuerung. Die übliche Wahl fürs Einfamilienhaus. Benzin altert, Lagermenge ist begrenzt.
Offenes Benzin-Aggregat (2–8 kW)Mehr Leistung fürs Geld, aber laut und oft mit weniger sauberer Spannung – für Werkzeug und Pumpen, weniger für Elektronik.
Diesel-AggregatSparsamer, Diesel ist weniger feuergefährlich und darf in größerer Menge gelagert werden. Schwer, teurer, im Winter Winterdiesel nötig.
Gas- oder Hybrid-Aggregat (LPG)Läuft mit Flaschengas, das unbegrenzt lagerfähig ist. Gasflaschen nie im Keller lagern.

Achten Sie auf die Dauer- oder Nennleistung, nicht auf die Maximalleistung, die nur kurz verfügbar ist – ein „2.000-W-Aggregat“ liefert oft dauerhaft 1.600 bis 1.800 W.

Sicher aufstellen und betreiben

  1. 01Nur im Freien. Nicht in Keller, Garage, Gartenhaus, Carport an der Hauswand, Innenhof, Loggia oder unter einem Vordach. Das Land Steiermark rät vom Betrieb in Gebäuden „strikt“ ab; im Keller ist er lebensgefährlich.
  2. 023 Meter Abstand. Mindestens 3 m zu Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen, die sich öffnen lassen – auch zu denen der Nachbarn und in oberen Stockwerken.
  3. 03Fester, nicht brennbarer Boden. Eben, auf Pflaster oder Beton, weg von Holzfassaden und Brennbarem; ein Schaum- oder ABC-Pulverlöscher daneben, kein Wasserlöscher.
  4. 04Abgekühlt und im Freien tanken. Motor abstellen und abkühlen lassen, Trichter und Auffangwanne nutzen, kein Rauchen, kein offenes Licht. Den Kanister mindestens 1,5 m vom Aggregat entfernt abstellen.
  5. 05CO-Melder im Haus. Kohlenmonoxid ist unsichtbar und geruchlos und zieht durch Türen und Decken. Ein Melder in den angrenzenden Räumen warnt, bevor es gefährlich wird.

Nach der Infobroschüre „Notstromaggregate in Privathaushalten“ des Landes Steiermark (2023). Verdacht auf Kohlenmonoxid: Fenster auf, Gerät aus, Haus verlassen, Feuerwehr 122 oder Rettung 144.

Anschließen: direkt oder über eine Einspeisung

  • Direktversorgung: Geräte stecken direkt am Aggregat. Für Geräte mit Schutzkontakt-Stecker braucht das Aggregat eine Schutzmaßnahme – eine Isolationsüberwachung oder Schutztrennung. Fehlt sie, darf es nur eine Elektrofachkraft mit Prüfprotokoll in Betrieb nehmen; eine Schuko-Steckdose am Gerät allein beweist nichts. Schutzisolierte Geräte ohne Schutzkontakt sind unproblematisch.
  • Kabel: nur Gummischlauchleitungen vom Typ H07RN-F oder gleichwertig, keine dünnen Haushaltsverlängerungen.
  • Anlagenversorgung: Soll die Hausinstallation – etwa die Heizung – mitlaufen, baut der Elektriker eine Notstrom-Einspeisung mit Umschalter, Einspeisestecker und Erdung ein. Die Umschaltung muss das Haus vom Netz trennen; viele Netzbetreiber verlangen eine mechanische Verriegelung.
  • Verboten und lebensgefährlich: das Aggregat über eine Steckdose ins Hausnetz speisen.

Einen befugten Betrieb finden und was er kostet: Elektriker.

Treibstoff lagern

  • Das Land Steiermark empfiehlt höchstens 20 l Benzin, 60 l Diesel und 2 × 15 kg Flüssiggas; mehr als 60 l Kraftstoff sind dort bewilligungspflichtig.
  • In Niederösterreich dürfen in Garagen bis 250 m² höchstens 25 l brennbare Flüssigkeiten lagern § 33 NÖ BTV 2014. Andere Länder haben eigene Regeln – im Zweifel bei Gemeinde oder Brandverhütungsstelle fragen.
  • Nie im Stiegenhaus, am Dachboden, auf Fluchtwegen oder im Heizraum; Benzin und Gas möglichst getrennt vom Wohnbereich.
  • Dämpfe sind schwerer als Luft und sammeln sich am Boden – Vorsicht bei Kellerabgängen und Bodenabläufen.
  • In der Mietwohnung vorher mit dem Vermieter sprechen; Hausordnungen verbieten das Lagern oft.

Ausrüstung

Zwei Benzin-Inverter der 2-kW-Klasse, eine Powerstation als abgasfreie Alternative und das Zubehör, das die Steiermark-Broschüre verlangt.

Häufige Fragen zum Notstromaggregat

Wie groß muss ein Notstromaggregat für ein Einfamilienhaus sein?
Für das Wichtigste – Licht, Router, Kühlschrank und Heizungssteuerung – reichen meist 1 bis 2 kW Dauerleistung. Kommen eine Tauch- oder Brunnenpumpe dazu, sind es wegen des hohen Anlaufstroms schnell 3 bis 5 kW. Das ganze Haus samt Herd, Warmwasserboiler und Wärmepumpe versorgt kein mobiles Aggregat sinnvoll. Der Notstrom-Rechner oben summiert Ihre Geräte und schlägt 25 Prozent Reserve auf.
Darf ich das Aggregat einfach an eine Steckdose im Haus anschließen?
Nein – das ist verboten und lebensgefährlich. Über ein Kabel mit zwei Steckern speist das Aggregat ins Hausnetz und unter Umständen zurück ins öffentliche Netz, wo Monteure an vermeintlich spannungsfreien Leitungen arbeiten. Erlaubt sind zwei Wege: Geräte direkt am Aggregat anstecken oder eine Notstrom-Einspeisung mit Umschalter, die ein Elektriker einbaut. Viele Netzbetreiber verlangen dafür eine mechanische Verriegelung zwischen Netz- und Notstrombetrieb.
Darf ich das Aggregat in der Garage oder im Keller laufen lassen?
Nein. Ein Verbrennungsmotor erzeugt Kohlenmonoxid, das in geschlossenen Räumen binnen Minuten tödlich sein kann – offene Tore und Fenster reichen nicht. In Österreich gibt es immer wieder Todesfälle: In Oberösterreich starben zwei Kinder, weil nach einem Unwetter ein Aggregat im Keller lief. Das Land Steiermark empfiehlt den Betrieb ausschließlich im Freien, mit mindestens drei Metern Abstand zu Fenstern und Türen.
Benzin oder Diesel?
Für gelegentlichen Notbetrieb im Einfamilienhaus meist ein Benzin-Inverter: leicht, leise und sauber genug für Elektronik. Diesel lohnt sich bei längerem Betrieb und größerer Leistung, ist sparsamer und weniger feuergefährlich – und Sie dürfen mehr davon lagern: Das Land Steiermark empfiehlt höchstens 20 Liter Benzin, aber bis zu 60 Liter Diesel.
Was kostet ein Notstromaggregat?
Ein Benzin-Inverter mit rund 2 kW kostet ab etwa 300 bis 500 Euro, Markengeräte deutlich mehr. Offene Aggregate mit 5 kW und mehr gibt es ab einigen hundert Euro, Diesel-Aggregate sind teurer. Dazu kommen Kanister, ein Gummikabel und – wenn die Heizung mitlaufen soll – die Notstrom-Einspeisung durch den Elektriker. Für geplante Abschaltungen kann man Aggregate auch im Baumaschinenverleih mieten.
Läuft meine Heizung bei einem Blackout?
Gastherme, Öl- und Pelletskessel brauchen Strom für Steuerung, Brenner und Umwälzpumpe – ohne Strom bleiben sie kalt, auch wenn Gas oder Pellets da sind. Der Verbrauch ist mit 100 bis 200 Watt gering, das Problem ist der Anschluss: Die meisten Heizungen hängen fest an der Elektroinstallation. Ohne Strom heizen nur Kamin- und Kachelöfen.
Liefert meine PV-Anlage bei Stromausfall Strom?
Normalerweise nicht: Netzgekoppelte Wechselrichter schalten bei einem Netzausfall aus Sicherheitsgründen ab, auch Balkonkraftwerke. Notstrom gibt es nur mit einem Speicher und einem Wechselrichter mit Notstrom- oder Ersatzstromfunktion, die der Elektriker passend eingebaut hat. Der Zivilschutzverband hält eine solche Anlage für sinnvoller als ein Aggregat.
Wie viel Benzin darf ich zu Hause lagern?
Das regelt jedes Land selbst. Das Land Steiermark empfiehlt für Privathaushalte höchstens 20 Liter Benzin, 60 Liter Diesel und zwei 15-Kilo-Gasflaschen; mehr als 60 Liter Kraftstoff sind dort bewilligungspflichtig. In Niederösterreich dürfen in einer Garage bis 250 m² höchstens 25 Liter brennbare Flüssigkeiten lagern. Nie im Stiegenhaus, am Dachboden oder auf Fluchtwegen, immer in dichten, zugelassenen Kanistern.
Wie lange hält Benzin im Kanister?
Normales Benzin altert und verliert nach einigen Monaten an Zündwilligkeit; Faustregel: innerhalb eines Jahres verbrauchen und durch frisches ersetzen, etwa im Auto. Alkylatbenzin aus dem Fachhandel hält deutlich länger. Lassen Sie das Aggregat alle paar Monate unter Last laufen – ein Gerät, das nach drei Jahren im Schuppen nicht anspringt, hilft im Ernstfall nicht.

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